Pflanzenschutzmittel sind Wirkstoffe, die zum Schutz von Kulturpflanzen vor Schädlingen, Beikräutern oder Krankheiten eingesetzt werden. Diese Stoffe sind aber auch für andere Pflanzen und Nützlinge, wie Wildbienen, Schmetterlinge oder andere Tierarten, giftig. Durch ihren Einsatz in der konventionellen Landwirtschaft gelangen sie in Bäche, Flüsse, Seen und in unser Grundwasser und verschlechtern die Wasserqualität.
In Deutschland sind viele Bäche im landwirtschaftlichen Umland mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Das sind die Ergebnisse des Citizen-Science-Projekts FLOW, das der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) gemeinsam mit dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig von 2021 bis 2023 umgesetzt hat.
Die besorgniserregende Botschaft:
In der Mehrheit der im FLOW-Projekt bundesweit untersuchten Bäche finden sich Schadstoffe. Insbesondere im landwirtschaftlichen Umland sind unsere Bäche mit Pflanzenschutzmitteln belastet. Der Erhalt der Biodiversität ist dadurch gefährdet.
In 80 Prozent der Bäche sind sogar staatliche Grenzwerte überschritten. Es besteht dringender Handlungsbedarf zum Schutz der Biodiversität.
Die vielen kleinen Fließgewässer mit einem Einzugsgebiet von unter zehn Quadratkilometern fanden bei der Überwachung durch die Behörden bislang kaum Beachtung. Obwohl sie etwa 70 Prozent des deutschen Gewässernetzes ausmachen. Sie sind für den Erhalt der biologischen Vielfalt von großer Bedeutung.
Trotz der bereits im Jahr 2000 auf EU-Ebene verabschiedeten Wasserrahmenrichtlinie sind laut Umweltbundesamt noch immer nur etwa 8 Prozent der amtlich untersuchten deutschen Fließgewässer in einem „guten ökologischen Zustand“.
Die Auswertung der FLOW Citizen Science-Daten bekräftigt die Ergebnisse des Kleingewässermonitorings von 2019-2022: Die Wirbellosenfauna ist in rund 60 Prozent der beprobten Bäche in landwirtschaftlichen Einzugsgebieten durch agrochemische Belastungen gestört. Die Probestellen wurden „mäßig“, „unbefriedigend“ oder „schlecht“ bewertet. Hierbei zeigt sich, dass der Zustand der Gewässer-Lebensgemeinschaften tendenziell schlechter ausfiel, je stärker das Einzugsgebiet der Probestellen durch Ackerbau geprägt war.
Zusätzlich zur Schadstoffbelastung wies die Gewässerstruktur in über 60 Prozent der untersuchten Bäche einen deutlich bis stark veränderten Zustand mit verbauten Uferstrukturen, fehlender Ufervegetation oder einer verarmten Gewässersohle auf, wodurch die Lebensraumqualität und Ökosystemfunktionen dieser Bäche weiter stark beeinträchtigt sind.
Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie muss umgesetzt werden. Sie fordert einen guten Zustand aller Oberflächengewässer. Minimal-Konsens sollten dabei die im Europäischen Green Deal formulierten Ziele sein, nach denen das Risiko des Pestizideinsatzes bis 2030 um die Hälfte reduziert werden soll. Die Bundesregierung ist jetzt am Zug.
Es braucht "auch eine schrittweise Reduzierung der Nutzung von Pestiziden und das Verbot besonders gefährlicher Pestizide. Nur so können wir eine gesunde und lebenswerte Umwelt schaffen. Es ist Zeit für eine Transformation in der Landwirtschaft.“, so Von Broock vom BUND.
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