Sonntag, 9. Dezember 2012

Grundwasser wird zu stark genutzt

Die intensive landwirtschaftliche Nutzung lässt Experten zufolge die Grundwasserspiegel in vielen Regionen der Welt absinken.
In einem Aufsatz für die Zeitschrift Nature Geoscience warnen Wissenschaftler vor einem Rückgang der Süßwasserreserven durch die Übernutzung der Grundwasservorräte. "Grundwasser-Systeme sind zwar Speicher von enormem Ausmaß, eine Neubildung erfolgt jedoch nur langsam", sagt Werner Aeschbach-Hertig, Direktor des Heidelberg Center for the Environment (HCE) und Spezialist für aquatische Systeme und Stoffkreisläufe.

Das Grundwasser ist die wichtigste Süßwasser-Quelle auf der Erde, ihm kommt eine tragende Rolle innerhalb der modernen Landwirtschaft zu, die stark auf Bewässerung setzt. Das Grundwasser ist auch für die globale Nahrungsmittelproduktion unersetzlich. Zwar haben auch klimatische Bedingungen einen Einfluss auf die Grundwasserreservoire, die menschliche Nutzung hinterlässt aber viel deutlichere Schäden.

"Dennoch ist zu erwarten, dass im Zuge des Klimawandels in Regionen wie Nordafrika das Problem durch den Rückgang der Niederschlagsmengen noch verschärft werden könnte", so Aeschbach-Hertig. Besonders ernst sei die Lage in trockenen Gegenden mit intensiver Landwirtschaft, etwa in Teilen von Indien, China oder den USA. Hier müssten die Grundwasserspeicher so schnell wie möglich stabilisiert werden. Jedoch müsse man bei möglichen Lösungen die regionalen Besonderheiten beachten: "Rein technische Strategien sind dabei nicht erfolgreich. Es müssen breiter abgestützte ökonomische, politische und rechtliche Maßnahmen einbezogen werden", empfiehlt Aeschbach-Hertig.

Das Beispiel Indien zeigt, wie nachteilig sich eine Übernutzung der Grundwasservorkommen auswirkt:
Hier wurden Unmengen an Wasser durch tiefe Brunnen entnommen, ohne dafür zu sorgen, dass sich die Grundwasserreserven regenerieren konnten. Das führte schließlich zu einem drastischen Absinken des Grundwasserspiegels. Für die Bauern, die sich keine teuren Infrastrukturen und Düngemittel leisten können, ist der Rückgang des Grundwassers in der häufig von Dürren heimgesuchten Region ein existenzbedrohendes Problem.
Zudem warnen die Experten in Verbindung mit einer Grundwasserübernutzung auch vor einem Anstieg des Meeresspiegels – denn hier besteht ein direkter Zusammenhang: Wenn Grundwasser permanent abgepumpt wird, so fließt nur ein Teil des entnommenen Wassers aus anderen Quellen zurück. Somit erhöht sich der Anteil an Wasser, der letztendlich in den Weltmeeren landet.

Originalveröffentlichung: Werner Aeschbach-Hertig and Tom Gleeson: Regional strategies for the accelerating global problem of groundwater depletion, Nature Geoscience (18. November 2012), doi: 10.1038/ngeo1617 Quelle: KLIMARETTER.INFO | bb

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